Die Versorgung der Schweiz mit Mineralölprodukten bleibt angespannt. Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung hat am 8. September zeitlich und mengenmässig begrenzte Bezüge aus den Pflichtlagern bewilligt. Bis zum 20. September können bis zu 30'000 m³ Diesel und 30'000 m³ Benzin entnommen werden. Damit soll die Versorgung während des Produktionsunterbruchs der Raffinerie Cressier und der gleichzeitig eingeschränkten Transporte auf dem Rhein stabilisiert werden.
Der Rhein bleibt der entscheidende Engpass
Für die Mineralölversorgung ist dies von grosser Bedeutung. Bei niedrigen Wasserständen können Tankschiffe ihre Ladekapazität nicht vollständig ausnutzen oder gar nicht fahren. Dadurch werden mehr Schiffe und zusätzliche Fahrten benötigt, während gleichzeitig die Transportkosten deutlich steigen. Der Engpass liegt deshalb derzeit weniger beim vorhandenen Öl als bei dessen Transport in die Schweiz.
Wetter bleibt der entscheidende Faktor
Eine nachhaltige Entspannung der Situation ist nur mit deutlich höheren Wasserständen möglich. Einzelne Niederschlagsereignisse reichen dafür nicht aus. Es braucht über einen längeren Zeitraum ausreichend Niederschlag, damit sich die Zuflüsse und der Bodensee wieder nachhaltig erholen und die Transportbedingungen auf der Rheinschiene normalisieren.
Die aktuelle Wetterentwicklung bietet dafür noch keine verlässliche Entspannung. Gleichzeitig weist MeteoSchweiz auf die zunehmende Bedeutung trockener Sommer und die längerfristig steigende Trockenheit in der Schweiz hin.
Internationale Ölpreise bleiben volatil
Auch am internationalen Ölmarkt bleibt die Lage angespannt. ICE Gasoil schloss am Dienstag bei 1'439,75 USD pro Tonne, rund 20,50 USD tiefer als am Vortag. Gleichzeitig sorgt die Eskalation im Nahen Osten weiterhin für eine hohe Risikoprämie. Brent bewegt sich wieder in Richtung 100 USD pro Barrel.
Die geopolitischen Risiken rund um die Strasse von Hormus, Angriffe auf Energieanlagen und die eingeschränkten Tankerbewegungen erhöhen die Unsicherheit zusätzlich. Der fundamentale Hintergrund für Mineralölprodukte bleibt damit insgesamt bullish und volatil.
Unser Fazit
Die Schweiz verfügt weiterhin über ausreichende Ölreserven – doch die Logistik bleibt das Nadelöhr. Rhein-Niedrigwasser, der Produktionsunterbruch in Cressier, hohe Transportkosten und eine saisonal steigende Nachfrage treffen derzeit aufeinander.
Die Freigabe der Pflichtlager schafft kurzfristig zusätzliche Sicherheit. Für die kommenden Wochen bleibt jedoch entscheidend, ob sich die Wasserstände nachhaltig erholen.
Wir empfehlen unseren Kunden deshalb, den Heizölbedarf frühzeitig zu planen und Bestellungen nicht unnötig hinauszuschieben. Eine frühzeitige Disposition schafft zusätzliche Sicherheit, solange die Transportbedingungen auf dem Rhein angespannt bleiben.
Börsendaten 09.09.2026 um 08:59
ICE-Gasoil Sep: 1460.00$
ICE-Brent Nov: 99.48$
NY-Rohöl WTI Okt: 94.30$
US-Dollar/CHF: 0.8083
Rheinfracht nach Basel: 190.00