Die Versorgung der Schweiz mit Mineralölprodukten bleibt im September angespannt. Zwar ist aktuell kein genereller Mangel
an Heizöl, Diesel oder Benzin zu erwarten, doch das anhaltende Rhein-Niedrigwasser stellt die Logistik weiterhin vor grosse Herausforderungen.
Die Pegelstände haben sich gegenüber den Tiefstständen im August zwar etwas erholt, von einer Normalisierung kann jedoch noch keine Rede sein. Bei tiefen Wasserständen können Tankschiffe nur einen Teil ihrer normalen Ladung transportieren. Dadurch steigen die Transportkosten und gleichzeitig sinkt die verfügbare Kapazität.
Dies zeigt sich deutlich bei den Frachtraten: Transporte von Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen Richtung Basel kosteten Ende August noch rund CHF 260 pro Tonne, gegenüber lediglich rund CHF 70 Anfang Juli.
Zusätzlich belastet der Produktionsunterbruch der Raffinerie Cressier die Schweizer Versorgung. Der Bund hat deshalb die Situation genau im Blick. Entscheidend ist derzeit weniger die Verfügbarkeit des Öls als vielmehr die Verfügbarkeit der Transportkapazitäten.
Herbst bringt zusätzliche Nachfrage
Mit Beginn der Heizsaison dürfte die Nachfrage nach Heizöl wieder deutlich anziehen. Viele Kunden haben ihre Bestellungen während des Sommers aufgrund der hohen Preise hinausgeschoben. Dieser Bedarf ist jedoch nicht verschwunden – er wurde lediglich verschoben.
Sollten im September, Oktober und November grössere Mengen gleichzeitig nachgefragt werden, könnte die bereits angespannte Logistik zusätzlich unter Druck geraten. Aus einem reinen Preisrisiko kann damit schnell ein Termin- und Verfügbarkeitsrisiko werden.
Wetter bleibt entscheidend
Eine nachhaltige Entspannung ist vor allem von den Niederschlägen abhängig. Einzelne Regentage reichen nicht aus, um die Wasserdefizite auszugleichen. Es braucht über einen längeren Zeitraum ergiebige Niederschläge, damit sich die Zuflüsse und insbesondere der Bodensee nachhaltig erholen und sich die Situation auf der Rheinschiene normalisieren kann.
Gleichzeitig bleiben die internationalen Ölmärkte angespannt. Der ICE Gasoil-September-Kontrakt schloss am Montag bei 1'460,25 USD pro Tonne, rund 65 USD höher als am Vortag. Geopolitische Spannungen, insbesondere im Zusammenhang mit Iran, sorgen weiterhin für zusätzlichen Aufwärtsdruck.
Fazit
Die Schweiz hat Öl – aber die Logistik bleibt das Nadelöhr. Tiefe Rheinpegel, hohe Frachtraten, eingeschränkte Raffineriekapazitäten und eine saisonal steigende Nachfrage bilden ein anspruchsvolles Umfeld für die kommenden Wochen.
Wir empfehlen unseren Kunden deshalb, den Heizölbedarf für die kommende Heizsaison frühzeitig zu planen und Bestellungen nicht unnötig aufzuschieben. Damit lassen sich mögliche Lieferengpässe und längere Dispositionszeiten besser vermeiden.
Börsendaten 08.09.2026 um 08:53
ICE-Gasoil Sep: 1461.00$
ICE-Brent Nov: 98.62$
NY-Rohöl WTI Okt: 94.07$
US-Dollar/CHF: 0.8097
Rheinfracht nach Basel: 190.00