Die Energiemärkte bleiben Anfang Juli von zwei gegenläufigen Entwicklungen geprägt: Einerseits sorgen neue geopolitische Spannungen im Nahen Osten und Angriffe auf russische Energieinfrastruktur für Unsicherheit. Andererseits deutet die steigende
Ölproduktion der OPEC+ mittelfristig auf ein ausreichendes Angebot hin.
Für kurzfristigen Preisdruck sorgen insbesondere die erneuten Angriffe auf Handelsschiffe in der Strasse von Hormus. Diese unterstreichen, dass die Lage im Persischen Golf weiterhin fragil ist und wichtige Transportwege Risiken ausgesetzt bleiben. Gleichzeitig belasten ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien den Markt für Mitteldestillate wie Heizöl und Diesel.
Demgegenüber steht eine Ausweitung der OPEC+-Fördermengen für August. Zudem haben sich die Exporte aus dem Persischen Golf zuletzt deutlich erholt, Tankerstaus lösen sich auf und Analysten erwarten mittelfristig wieder ein Überangebot am Ölmarkt. Auch die Marktstruktur (Contango) spricht derzeit für eine entspanntere Versorgungslage in den kommenden Monaten.
Dennoch reagieren insbesondere die Produktmärkte empfindlich auf kurzfristige Störungen. Entsprechend sind die Notierungen für Gasoil zuletzt wieder gestiegen und wirken sich auf die Inlandspreise aus.
Zusätzlich bleiben die Transportkosten auf dem Rhein erhöht. Aufgrund der eingeschränkten Abladetiefen infolge niedriger Wasserstände können Binnenschiffe ihre Kapazitäten nur eingeschränkt nutzen. Dadurch steigen die Frachtsätze insbesondere auf der Strecke nach Basel, was die Beschaffungskosten für Mineralölprodukte zusätzlich belastet. Solange sich die Pegelsituation nicht nachhaltig verbessert, ist hier weiterhin mit erhöhten Logistikkosten zu rechnen.
Kurzfristig bleiben die Preise durch geopolitische Risiken sowie die höheren Transportkosten auf dem Rhein gestützt. Mittelfristig könnte das steigende weltweite Ölangebot jedoch für eine Beruhigung sorgen, sofern es nicht zu weiteren Eskalationen im Nahen Osten oder neuen Produktionsausfällen kommt.